Herr Keuner ist Christ

Herr Keuner ist Christ

Herr Keuner ist ein Mensch, der vielleicht nicht an Jesus oder Gott glaubt, aber, wie jeder Mensch am Ende seines Lebens, einmal dran glauben muss. Und er nennt sich selbst einen Christen: Geht manchmal in die Kirche, um zu zeigen, dass er einer ist. Er spricht das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser, und tut ein paar Cent in den Klingelbeutel, damit der nächste Einkauf mit weniger Sucherei nach Kleingeld ablaufen kann. An 2 Tagen im Jahr geht er hin, am Ostersonntag und an Heiligabend.

Auch hat der Herr Keuner Eier in der Hose. An Ostern versteckt er sie, um sie den Rest des Jahres über zu suchen. Am Buß- und Bettag fährt er mit dem Bus und bleibt nach der Arbeit im Bett. An Karfreitag holt er die Karre aus der Garage und macht einen Ausflug. In der Adventszeit sind die Fenster,  im Gegensatz zu seinem Oberstübchen, hell erleuchtet. An Weihnachten hat er immer eine Tanne für seinen Ständer. Sodann hängt er seine Kugeln auf und stellt einen Sender mit Weihnachtsliedgedudel ein.

Viele Obdachlose müssen im Winter verhungern und erfrieren. Herr Keuner muss das nicht. Er freut sich, dass er ein Sternzeichen Fisch auf dem Trockenen ist, nicht frieren, nass werden und hungern muss, wie die armen Menschen da draußen. Er hängt Eier und Kugeln auf Zweige, um zu zeigen: "Ich bin Christ. Ich glaube an die Verlust von Marias Jungfernhäutchen bei der Geburt und an das Wieder-Aufstehen des toten Sohnes. Ich hatte immer Geschenke unterm Tannenbaum, als ich klein war, und durfte immer zu Ostern die Eier im Garten suchen. Ich gebs zu, ich hab an den Weihnachtsmann und den Osterhasen geglaubt, denn ich bin ja christlich erzogen worden. Jetzt mache ich das auch und sag den Kindern, der Nikolaus war da und der Osterhase kommt auch immer wieder."

Ja, er schmückt Tanne und Weidenzweige, denn der Herr Keuner ist Christ. Er geht 2 Mal im Jahr in die Kirche, weil er Christ ist. Zur Arbeit geht er, um Geld zu verdienen. Zu Kunden ist er freundlich, weil das zum Service gehört. Er bietet niemandem im Bus seinen Platz an, er sagt dem frierenden Obdachlosen nicht Bescheid, wenn das Kältemobil der Johanniter in der Nähe ist. Das gehört nicht zu seinen Aufgaben. Herr Keuner ist Christ, aber es genügt, dass er selbst glaubt, Christ zu sein. Die Realität kann anders sein, Hauptsache sie sieht nicht anders aus.